Donnerstag, 23. Juli 2009

desiderata - (lat.: gewünschte Dinge)

Ein Gedicht von Max Ehrmann aus dem Jahr 1927:

desiderata

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast
und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich,
in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus,
und höre Anderen zu,
auch den Geistlosen und Unwissenden;
auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen,
sie sind eine Qual für den Geist.

Vergleichst du dich mit anderen,
kannst du hochmütig oder verbittert werden,
denn immer wird es Menschen geben,
die bedeutender oder schwächer sind als du.
Erfreue dich am Erreichten und an deinen Plänen.
Bemühe dich um deinen eigenen Werdegang,
wie bescheiden er auch sein mag;
er ist ein fester Besitz im Wandel der Zeit.

Sei vorsichtig bei deinen Geschäften,
denn die Welt ist voller Betrügerei.
Aber lass deswegen das Gute nicht aus den Augen,
denn Tugend ist auch vorhanden:
Viele Menschen ringen um hohe Ideale,
und Helden gibt es überall im Leben.

Sei du selbst.
Vor allem heuchle keine Zuneigung.
Sei auch nicht zynisch, wenn es um Liebe geht,
denn trotz aller Öde und Enttäuschung verdorrt sie nicht,
sondern wächst weiter wie Gras.

Ertrage freundlich gelassen den Ratschluss der Jahre,
und verzichte mit Anmut auf die Dinge der Jugend.
Stärke die Kräfte deines Geistes,
um dich bei plötzlichem Unglück dadurch zu schützen.
Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen.
Viele Ängste sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.
Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin,
sei gut zu dir selbst.
Du bist ein Kind des Universums,
nicht weniger als die Bäume und die Sterne;
du hast ein Recht hier zu sein.

Und ob du es verstehst oder nicht,
entfaltet sich die Welt so wie sie soll.
Bleibe also in Frieden mit Gott,
was immer er für dich bedeutet,
und was immer deine Sehnsüchte und Mühen
in der lärmenden Verworrenheit des Lebens seien
– bewahre den Frieden in deiner Seele.
Bei allen Täuschungen, Plackereien und zerronnenen Träumen
ist diese Welt doch wunderschön.

Sei frohgemut. Strebe danach, glücklich zu sein.

Kommentare:

  1. ...tolles Gedicht!
    Man scheint jedem Satz zustimmen zu können und doch beherzigt man die wenigsten...warum eigendlich? Ist das Leben doch so zerbrechlich!

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  2. Es ist ein schönes Gedicht!
    Man kann vielem zu stimmen in dem man da nach lebt
    doch es wird oft im Altag vergessen danach zu handeln....wo dran liegt es?

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